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Forum - TREFF: jeden 1. Mittwoch im Monat (der Schulzeit)    17:00 Uhr Schützenhaus Peine

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27. April

 

Arbeitslager Moringen 

Busfahrt zur Ausstellung des KZ Moringen - 9:00 Uhr ab DGB-Haus Peine/Lindenstraße  - Begrenzte Plätze - Anmeldung unter baumeister.peine@t-online.de

5. Juni

  Jahreshauptversammlung

Peiner Festsäle - Seiteneingang  -  16:00 Uhr

Anschließend Spargel-Büfett für alle GEW-Mitglieder  -  Anmeldung hierfür erforderlich unter hans-juergen.glapa@t-online.de

24.09. - 01.10.

(Bildungsurlaubs-) Seminar in: Theresienstadt, Lidice, Prag - Infos und Anmeldung hier

Hans Brügelmann - Kindern das Wort verbieten?

Kinder bringen ihre eigene Biografie mit in die Schule. Damit sollten sich Lehrkräfte auseinandersetzen. Wenn freies Schreiben von Anfang an in der Schule verboten wird, verweigert man den Kindern den Respekt, ihre Leistung durch die Lehrkräfte anzuerkennen. Diese werden durch ein Verbot gegängelt. Einem Klempner kann man auch nicht verbieten, einen Schraubenzieher einzusetzen, um seiner Aufgabe bestmöglich gerecht zu werden.

Professor Hans Brügelmann begrüßte am 27. März die an die 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Informationsveranstaltung in den Peiner Festsälen mit den Worten, man habe sich gedacht, die unsachliche Kampagne gegen freies Schreiben in der Schule habe sich erledigt. Doch nun musste der Grundschulverband, in dem Brügelmann seit vielen Jahren aktiv wirkt, eine Stellungnahme gegen das Verbot der Leselernmethode „Lesen durch Schreiben“ durch die brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst veröffentlichen.

Der GEW Kreisverband Peine hatte eingeladen um eine sachliche und fundierte Information und Diskussion über Schreiben und Rechtschreiben zu ermöglichen.

Auf der Grundlage zahlreicher intensiver Untersuchungen gelang es Hans Brügelmann unsachliche Propaganda gegen das sogenannte „Schreiben nach Gehör“ zu widerlegen.

Drei zentrale Argumente für das freie Schreiben eigener Texte im Anfangsunterricht durch lautorientiertes Verschriften inhaltlich für die Kinder wichtiger Wörter sind demnach:

    1. „Die Kinder können die Schriftsprache früh als ein mächtiges Instrument erfahren und nutzen.“

    2. „Durch regelmäßige Analyse und Synthese von Wörtern begreifen Kinder die alphabetische Struktur als wesentliches Prinzip unserer Schriftsprache.“

    3. „Das Verschriften der Wörter auf dem jeweiligen Könnens-Stand ermöglicht allen Kindern ihren individuellen nächsten Schritt.“

Hier wurde den aufmerksam zuhörenden Lehrkräften, Eltern und anderen Interessierten deutlich, dass die Individualisierung und Differenzierung des Unterrichts durch diese Leselernmethode den unterschiedlichen Lernausgangslagen der Kinder gerecht werden kann. Nicht der gängige Schulblick „Was können die anderen schon“ sondern auf bereits Erlerntem aufzubauen und den nächsten Schritt selbst zu bestimmen hilft gerade auch schwachen Rechtschreibern. Rechtschreibung heißt in diesem Verständnis „immer bessere Fehler“ zu erreichen. Dabei ist die Einbeziehung der „Erwachsenenschrift“ ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts. Grundlage ist, dass Rechtschreibung wichtig ist wegen der Lesbarkeit.

Klare Befunde internationaler Forschung belegen, so Professor Brügelmann, dass lautbezogenes Schreiben die Rechtschreibentwicklung nicht behindert sondern befördert. „In den ersten Jahren werden Wörter immer wieder neu „konstruiert“ und das innere „Rechtschreibsystem“ wird immer wieder umorganisiert. Rechtschreibfehler prägen sich also nicht ein.“ Gelerntes bleibe nicht stabil und müsse immer wieder erarbeitet werden.

Außerdem: Positiv seien die Effekte vor allem dann, wenn die Kinder ihre Schreibversuche orthographisch korrekt als Modell zurückgemeldet bekommen - aber ohne dass ihnen die „Erwachsenenschrift“ bereits frühzeitig abverlangt wird. Der Entwicklungsstand der Kinder sei stets zu berücksichtigen.

Nach der empirischen Forschung gäbe es auch keinen Leistungsverfall bei der Rechtschreibung gegenüber vor 20, 50 oder 80 Jahren. So zeigt die Erwachsenenstudie l.e.o (2012): „Die Rechtschreibung der Älteren ist nicht besser als die der Jüngeren. Ein Großteil unserer funktionalen Analphabet/inn/en stamt aus der Zeit der Fibel-Lehrgänge.“

Hans Brügelmann räumt ein, dass die in Medien beschriebene Kritik am sogenannten „Schreiben nach Gehör“ manchmal trotzdem berechtigt sei. Es gäbe wie in allen Bereichen gelungene und misslungene Beispiele. Bei jeder Methode, auch bei dem Einsatz von Fibeln, gäbe es große interne Unterschiede in der Umsetzung durch die Lehrkräfte und in den Lerneffekten der Schülerinnen und Schüler. So kann ein methodischer Fehler sein, nicht genügend Gelegenheit zu bieten, über das zu schreiben, was Kindern wichtig ist oder dass Anlauttabellen (Bilder sind mehrdeutig) nicht gründlich genug eingeführt werden.

Optimal sei es dagegen, mit jedem Kind eine individuelle Anlauttabelle aus seiner Erfahrungswelt zu bilden. Der Hinweis auf eine „sprechende Anlauttabelle“ für den PC wurde dankbar aufgegriffen. Wichtig sei immer, die Kinder als Denker ernst zu nehmen. Dabei unterstützen gemeinsame Rechtschreibgespräche im Unterricht über Strategien und Faustregeln der Rechtschreibung.

Als Fazit stellt Brügelmann zum Schluss klar, dass das freie Schreiben vom ersten Schultag an der Motor des Lesen- und Schreibenlernens sei. „Kinder dürfen schreiben wie sie können und nicht wie sie wollen!“

In der lebhaften Diskussion empfiehlt Professor Brügelmann auf Nachfrage einer Lehrerin nach empfehlenswerten Leselehrgängen, ein möglichst reduziertes Lehrwerk auszuwählen, um die beschriebene Methode Lesen durch Schreiben ernsthaft anwenden zu können. Negatives Beispiel sei, wenn Lehrkräfte von der Lehrmittelausstellung didacta mit Unmengen von Arbeitsblättern zurückkämen und diese dann ungezielt an die Kinder ausgeteilt würden.

Anfang Januar war in der Presse zu lesen, dass Niedersachsen den Fehler nicht nachmachen wolle, den die brandenburgische Kultusministerin unsinnigerweise unternahm. „Die Regierung könne den eigenverantwortlichen Schulen nicht irgendwelche didaktischen Methoden vorschreiben“, äußerte sich Kultusminister Tonne (SPD). Ein Antrag der FDP, die Methode abzuschaffen, war im Landtag gescheitert.

Eine Chance und ein Anstoß für die Lehrkräfte und Eltern der niedersächsischen Schulen, sich weiterhin sachlich und fachlich fundiert mit dem Thema zu befassen.

                                                                                                                            Nina Bührig und Helmut Forberg

 

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